■ INTERVIEW JAN ESSLINGER
Beziehungsgeschichten von heute bei "Eugen Onegin"
www.bregenzerfestspiele.com

Jan Eßinger ist erst 36 Jahre alt, bei den Bregenzer Festspielen ist er dennoch ein alter Hase. 2007 startete er als Stage Manager beim Spiel auf dem See Tosca, vor vier Jahren war er erster Assistent bei "Turandot". Nun hat der gebürtige Darmstädter eine neue Rolle übernommen und führt Regie bei der Opernstudio-Produktion "Eugen Onegin". 

Herr Eßlinger, Sie kommen in diesem Jahr als Regisseur zurück nach Bregenz. Wie erleben Sie diese Rückkehr?
Es ist ein Vorteil, die Struktur und die handelnden Personen zu kennen. Da gibt es ein gewisses Vertrauensverhältnis, das zu einer sehr angenehmen Zusammenarbeit führt. Außerdem kenne ich mich hier außerhalb des Theaterlebens etwas aus. Da geht es um ganz banale Dinge wie die Öffnungszeiten der Supermärkte, die beste Eisdiele oder Freizeitmöglichkeiten wie eine Wanderung auf den Pfänder. Deswegen fühlt es sich für mich ein bisschen wie Nachhausekommen an.

Was hat sich für Sie in der neuen Position verändert?
Regieassistent und Regisseur sind tatsächlich völlig verschiedene Berufe, das wird häufig unterschätzt. Als Regisseur konzentriert man sich darauf, das entwickelte Konzept im Team umzusetzen. Beim Lösen von Detailproblemen vor Ort helfen mir jetzt Mitarbeiter. Es geht für mich also darum, die künstlerischen Prioritäten richtig zu setzen und für die eigenen Vorstellungen einzustehen.

Sie haben andernorts bereits mehrere Opernstudio-Produktionen geleitet. Was reizt Sie an der Arbeit mit jungen Künstlerinnen und Künstlern?
Mich interessiert das künstlerische Gesamtpaket aus Stimme und schauspielerischem Vermögen. Der schönste Gesang nützt ohne den richtigen Ausdruck nichts. Erst die Kombination aus beiden Elementen sorgt für berührende Momente. Ich erlebe hier im Opernstudio eine große Offenheit und möchte gemeinsam mit den jungen Kollegen die Grenzen ausreizen und die eigene Komfortzone verlassen. Dieser Aufgabe stelle ich mich auch persönlich für meine Inszenierung. Natürlich gibt es andererseits Situationen, in denen man auf Nummer sicher gehen muss.

"Eugen Onegin" gehört zu Ihren Lieblingsopern. Was zeichnet dieses Werk aus?
In allererster Linie die unheimlich berührende Musik. Anders als in vielen Opern, die von antiken Machtkämpfen oder Königsdramen handeln und dadurch weit weg von der eigenen Lebenswirklichkeit sind, erzählt Eugen Onegin Beziehungsgeschichten. Das sind zeitlose Seelenwelten, in denen sich jeder wiederfindet. Man spürt bei den Figuren, dass sie etwas mit uns zu tun haben, es sind nachvollziehbare Konflikte denen sie ausgesetzt sind.

Wie setzen Sie das in Ihrer Inszenierung um?
Wie bei einem filmischen Zoom verfolgt das Publikum einzelne Charaktere wie unter einem Brennglas. Wir versuchen, Tschaikowskis teils pompöser, oftmals schwelgerischer Musik möglichst natürliche Figuren gegenüberzustellen. Dabei geht es um sehr präzises und detailreiches, manchmal aber fast reduziertes Schauspiel. Diesen bewussten Kontrast erlebe ich in den Proben bisher als sehr spannend.

Interview: Bregenzer Festspiele (tb)

Für die Vorstellungen am 13., 15. und 17.8. im Theater am Kornmarkt gibt es noch Tickets. Restkarten sind noch für die Premiere am 12. August verfügbar.

Informationen: https://bregenzerfestspiele.com

Plakat: c) Bregenzer Festspiele 

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